Auch Patientinnen und Patienten an nicht-psychiatrischen Abteilungen sowie deren Angehörige benötigen häufig psychosoziale Hilfe, etwa dann, wenn es um Ängste im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen geht, wenn sie plötzlich krankheitsbedingt vor schwierigen Lebenssituationen stehen oder wenn neue Bewältigungsstrategien und ein Perspektivenwechsel gefragt sind. Ihnen steht seit 2005 an den Universitätskliniken für Neurologie und Neurochirurgie am Standort des Neuromed Campus der psychosomatische Konsiliar-/Liaison-Dienst (C/L-Dienst) zur Seite. 2019 wurde dieses Angebot auf die Universitätsklinik für Neurologie und die Schmerzambulanz am Standort des Med Campus ausgeweitet. Seit 2021 steht den Patientinnen und Patienten diese Leistung auch an der Universitätsklinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Endokrinologie zur Verfügung.
Unter der Leitung von OÄ Dr.in Johanna Sonnleitner-Hofer bietet das Team eine qualifizierte psychosoziale Versorgung im Sinne eines bio-psycho-sozialen Behandlungsansatzes. Der Einsatz des psychosomatischen C/L-Dienstes trägt zur Verbesserung des psychischen und körperlichen Befindens bei, mit dem Ziel, die Lebensqualität zu steigern und die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten zu fördern. Die Kombination aus Konsiliar- und Liaison-Dienst umfasst neben der Betreuung von Patientinnen, Patienten und deren Angehörigen auch die Präsenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des C/L-Dienstes an den entsprechenden Abteilungen, indem sie z. B. an Visiten teilnehmen oder dem Behandlungsteam vor Ort bei Bedarf beratend zur Seite stehen.
Das Team des psychosomatischen C/L-Dienstes ist interdisziplinär und multiprofessionell zusammengesetzt. Es arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegekräfte mit den Kolleginnen und Kollegen der Klinischen Sozialarbeit, der Überleitungspflege und der Neuropsychologie in enger Kooperation zusammen.
„Große Bedeutung hat für uns die direkte Kommunikation mit allen behandelnden Teams und auch die Vernetzung mit anderen psychosozialen Angeboten innerhalb und außerhalb des Uniklinikums“, betont OÄ Dr.in Sonnleitner-Hofer.
Sobald eine elektronische Zuweisung erteilt wird, nimmt der C/L-Dienst Kontakt mit der betroffenen Person auf und führt – je nach formulierter Fragestellung – ein unterstützendes oder diagnostisch-beratendes Gespräch.
„Im Rahmen dieses Begutachtungsgesprächs können wir, wenn erforderlich, medikamentöse Therapien einleiten. Zudem informieren wir über mögliche psychotherapeutische Angebote, über unser psychosomatisches Behandlungsangebot und motivieren die Betroffenen gegebenenfalls, weiterführende Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus können die Patientinnen und Patienten unter Anleitung verschiedene Entspannungstechniken ausprobieren und anwenden“, erklärt OÄ Dr.in Sonnleitner-Hofer die Vorgangsweise des C/L-Dienstes.
Einen Spezialbereich stellt die psychoonkologische Betreuung von Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen dar.
Im interdisziplinären und multiprofessionellen Team des psychosomatischen C/L-Dienstes nimmt die Pflege einen wichtigen Stellenwert ein. Gearbeitet wird nach dem Pflegemodell der Kongruenten Beziehungspflege nach Rüdiger Bauer, bei dem die bedürfnisorientierte Zuwendung im Mittelpunkt steht. Das Pflegeteam setzt sich mit den Patientinnen und Patienten und deren individuellen Lebensereignissen auseinander und bezieht diese in die Begleitung mit ein. Daraus ergibt sich eine sehr flexible Gestaltung der Tätigkeiten in der C/L-Pflege. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist das Thema Entspannung.
Unser Körper braucht ausreichend Entspannung als Ausgleich zur zunehmenden Hektik des Alltags. Auch im Falle einer mehr oder weniger schweren Erkrankung kann Entspannung wesentlich zur Genesung beziehungsweise zur Steigerung der Lebensqualität beitragen. „Lernen Sie, Anspannungen wahrzunehmen und Entspannungstechniken einzusetzen, dann können Sie mit Stress besser umgehen“, so die Empfehlung von DGKP Christine Frühwirth, Mitglied des psychosomatischen C/L-Dienstes.
Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und zertifizierte Atem- und Lachpädagogin bietet Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen im Rahmen der C/L-Pflege verschiedene Entspannungstechniken zum Ausprobieren an, um die jeweils passende Methode zu finden, die körperliches und seelisches Wohlbefinden fördert. Hierzu zählen unter anderem:
Entspannung mit positiven Bildern: Mit angenehmen inneren Bildern und Szenen (Bergwiese, Spaziergang am Strand, Baden in einer Heilquelle, Verweilen in einer Oase, Ruhen in einer Hängematte etc.) können wir uns in einen entspannten Zustand versetzen. Zahlreiche Studien bestätigen, dass durch diese Visualisierungen dieselben Gehirnareale aktiviert werden wie durch tatsächlich erlebte Erfahrungen.
Körperreisen/Body-Scan: Bei einer Körperreise wird die Wahrnehmung auf Körperteile, Muskelpartien und Organe gelenkt. Schritt für Schritt wird der gesamte Körper erspürt. Dadurch entsteht eine verstärkte Präsenz im jeweiligen Bereich, was in den meisten Fällen zu einem gelösteren Körperempfinden führt.
Atementspannung: Durch bewusstes Atmen, beispielsweise mittels spezifischer Atem- oder Yogaübungen, kann eine wohltuende und stresslösende körperliche Entspannung herbeigeführt werden.
Lachyoga: Jede und jeder tut es, jede und jeder mag es, alle können es und es wirkt ansteckend – das Lachen. Auch im modernen Klinikalltag und in der Pflege wird diese Fähigkeit, die zu den ältesten Ausdrucksformen des Menschen gehört, genutzt. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lachen entspannt, Glücksbotenstoffe im Gehirn freisetzt, die Abwehrkräfte und den Kreislauf aktiviert, negativem Stress entgegenwirkt, Schmerzen lindert, das Lungenvolumen erweitert, den Blutdruck senkt, Hemmungen, Ängste und Spannungen abbaut und von Problemen distanzieren kann. Die Methode des Lachyoga besteht aus Lachübungen, die auf Techniken aus Yoga, Atem- und Dehnübungen basieren und durch pantomimische Übungen angeregt werden. Das Allerbeste: Unser Gehirn kann nicht zwischen echtem und unechtem Lachen unterscheiden – die positiven Effekte sind dieselben. Darum lohnt es sich auch, einfach grundlos zu lachen. „Also tun Sie so, als ob, bis es echt wird!“, ermutigt DGKP Frühwirth.